Bündnis gegen Abschiebehaft Rottenburg / Tübingen

Abschiebung trotz psychischer und körperlicher Erkrankung nach 6 Monaten Abschiebehaft

Name: Herr T.

  • Alter: 35
  • wurde nach 5 Jahren in Deutschland nach Indien abgeschoben
  • war 168 Tage inhaftiert in Rottenburg
  • (08.07.2009 23:02) Herr T. kam 2004 nach Deutschland, weil er fürchten musste, in Indien ermordet zu werden. Er floh, weil er nach einer Liebe zu einer Frau von der Rache ihres Ehemanns bedroht war. Er war deswegen auf einer Polizeiwache von Freunden des Ehemanns misshandelt worden. Es sei ihm zudem ein mit unzutreffenden Anschuldigen begründeter Haftbefehl gegen ihn gezeigt worden. Nach Einschätzung seines Anwalts wurde sein erster Asylantrag nicht ordentlich behandelt. Obwohl er eine Revision des Asylverfahrens anstrebte, wurde Herr T. entgegen anders lautender Absprachen Anfang Juli abgeschoben.

    Schwäbisches Tagblatt vom 21.5.2009 Herr T. war 6 Monate in Rottenburg inhaftiert. Obwohl die Kommunikation schwierig war, haben wir ihn als besonnenen, netten jungen Mann kennengelernt. In seiner Zeit in Rottenburg mussten wir beobachten, wie es ihm psychisch und körperlich immer schlechter ging. Schließlich aß er nichts mehr. Nach 9 Tage ohne Nahrung war er erkennbar schwach als wir ihn am 19.05.09 besuchten. Bei der Rückkehr vom Hofgang musste er von einem Mithäftling gestützt werden.

    Ein Mithäftling übersetzte uns seinen Brief an uns:

    Ich bin seit 6 Monaten in Rottenburg. Ich bin kein Krimineller. Mittlerweile bin ich krank geworden. Ich war schon mehrmals beim Arzt. Er gibt mir nur Tabletten. Wenn ich diese nehme, ist es nach einer Stunde wieder gleich, Kopfschmerzen.

    Ich bin sehr traurig. Warum wurde ich inhaftiert? Ich habe hier einen Asylantrag gestellt. Ich habe in Deutschland kein Problem gehabt!

    23 Stunden bin ich in der Zelle eingesperrt. Ich habe nur 1 h Hofgang.

    Deswegen bin ich krank! Ich habe 9 Tage kein Essen zu mir genommen.

    Ich habe in Indien ein Problem. Wenn ich nach Indien zurückkehre, dann werde ich sterben. Wenn Deutschland mir kein Asyl gibt, werde ich es überall sonst versuchen. Ich gehe nicht nach Indien zurück.

    Über Herrn T. berichtete auch das Schwäbische Tagblatt. Wir hatten die sofortige Freilassung aus gesundheitlichen Gründen gefordert.

    Tatsächlich wurde er aber am 20.05.09 in das Gefängniskrankenhaus Hohenasperg verlegt. Am 26.5. konnten wir Herrn T. dort besuchen. Er war deutlich abgemagert und sehr schwach. Er wirkte apathisch und zeigte Anzeichen grosser Müdigkeit. Vor dem Besuch hatte er in Hohenasperg einen Selbstmordversuch unternommen.

    Am 29.5.09 wurde Herr T. nach über 6 Monaten aus der Haft entlassen und er schöpfte neue Hoffnung. Wie auch sein Anwalt hatte er erwartet, dass sein Asylverfahren erneut aufgenommen würde und sich eine Lösung für seine schwierige Situation finden würde. Wir dachten, dass er durch die Haft und den Hungerstreik sowohl körperlich als auch psychisch ohnehin längst einen viel zu hohen Preis für sein Recht auf gesicherte Existenz gezahlt hatte.

    Stattdessen wurde Herr T. Anfang Juli in Begleitung eines Arztes nach Indien abgeschoben!

    Es ist unwahrscheinlich, dass für ihn psychische Betreuung organisiert wurde und auf Grund seiner Vorgeschichte ist er zudem von der Rache des einflussreichen Ehemanns seiner Geliebten bedroht.

    Wir sind in großer Sorge um seine Gesundheit und verurteilen diese Barbarei aufs Schärfste!

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    bga/blog/abschiebung_trotz_psychischer_und_koerperlicher_erkrankung_nach_6_monaten_abschiebehaft.txt · Zuletzt geändert: 08.07.2009 23:35 von euro
     
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