Bündnis gegen Abschiebehaft Rottenburg / Tübingen

Brand im Abschiebegefängnis Mannheim. Zwei junge Männer im Koma

(19.05.2010 19:41) Am 13. Mai 2010 brach in einem Wohncontainer für Abschiebehäftlinge in der JVA Mannheim ein Feuer aus. Dabei wurden zehn Menschen verletzt - zwei davon schwer. Mittlerweile sind die beiden Marokkaner wieder aus dem Koma erwacht. Der Online-Seite der Wormser Zeitung entnahmen wir am 19.5., dass es sich dabei nach derzeitigen Ermittlungen nicht um einen Unfall gehandelt hat, sondern ein Inhaftierter dieses Feuer verursachte. Die Staatsanwaltschaft hat mittlerweile einen Haftbefehl wegen Brandstiftung erlassen.

Dies hat bei uns schlimme Erinnerungen an einen vergleichbaren Brand in der Abschiebehaft Rottenburg im August 2008 geweckt. Damals hatte ein Häftling in Selbstmordabsicht seine Zelle in Brand gesetzt. Die darauf folgende Anklage wegen schwerer Brandstiftung wurde fallen gelassen, weil der Inhaftierte laut Staatsanwaltschaft offensichtlich suizidgefährdet war. Dennoch wurde er abgeschoben. (weitere Informationen hierzu...)

Während unserer Besuchstätigkeit trafen wir mehrfach auf psychisch sehr labile Menschen. Abschiebehaft und die bevorstehende Abschiebung sind für die Inhaftierten eine große psychische Belastung. Ungewissheit, Perspektivlosigkeit und erzwungene Handlungsunfähigkeit führen oft zu Depressionen, Psychosen und anderen Folgeschäden. Insgesamt werden psychische Krankheiten durch Abschiebehaft begünstigt und in der Regel nicht (oder nur unzureichend) behandelt. Psychisch Erkrankte werden im Normalfall auch nicht aus der Abschiebehaft entlassen. Mehrfach mussten Menschen nach Selbstmordversuchen in das Gefängniskrankenhaus verlegt werden. Die gegenwärtige Politik der Abschiebungen von psychisch erkrankten Menschen gefährdet so unserer Meinung nach anhaltend das Leben von MigrantInnen.

Über die psychosozialen Bedingungen und Menschenrechtsverletzungen in Abschiebehaft informieren wir auch in unserem "Schattenbericht Abschiebehaft".

Der jüngste Brand macht uns äusserst betroffen und gleichzeitig wütend. Denn nach unseren Erfahrungen in Rottenburg können wir diese und andere Kurzschlussreaktionen nur für ein unmittelbares Ergebnis der Verfahrens- und Haftbedingungen in Abschiebehaft halten. Wir fordern, dass das Strafverfahren eingestellt wird und dass die Abschiebung der verletzten Menschen nach ihrer Genesung nicht fortgeführt wird. Wir erwarten von der verantwortlichen Landesregierung, dass sie sich endlich Gedanken macht, wie sie ähnlich gefährliche Situationen zukünftig verhindern will. Sie sollte unserer Meinung nach nicht zuletzt auf Grund der psychischen und physischen Gefahren zukünftig generell von der Anordnung von Abschiebehaft absehen.

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bga/blog/brand_im_abschiebegefaengnis_mannheim_zwei_junge_maenner_liegen_im_koma.txt · Zuletzt geändert: 28.05.2010 22:12 von euro
 
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