Bündnis gegen Abschiebehaft Rottenburg / Tübingen

Hungerstreik von Abschiebehäftlingen in Rottenburg und Mannheim endet mit Abschiebung

(31.03.2009 20:10) Am Sonntag 1.3.09 sind in der Abschiebehaft Rottenburg 12 Häftlinge in Hungerstreik getreten. Zwei angebliche Initiatoren wurden darauf hin am Dienstag 3.3.09 in die JVA Mannheim verlegt. Am Mittwoch erreichte uns aus Mannheim ein Fax, in dem sie ankündigten, dass sie sich durch die Verlegung nicht einschüchtern lassen wollen. Mittlerweile wurden einige der Beteiligten aus Rottenburg abgeschoben. Die in Mannheim Inhaftierten kämpfen jedoch nach wie vor dafür, in Deutschland zu bleiben.

Der letzte Abschiebegefangene, der in Rottenburg im Hungerstreik verblieben war, wurde nach 83 Tagen Haft am 9.3.2009 vermutlich nach Griechenland rückgeschoben. Dort droht ihm die Rückschiebung nach Afghanistan.

Die anderen Rottenburger Abschiebegefangenen haben ihren Hungerstreik wohl deshalb beendet, weil sie die Hoffnung verloren hatten, an ihrer verzweifelten Lage etwas ändern zu können.

Zwei der Menschen in Hungerstreik wurden darauf nach Mannheim verlegt. Ein Fax, das wir ihnen Anfang März senden wollten (s.u.), wurde von der Abschiebehaft Mannheim mit der Begründung zurückgewiesen, der Verwaltungsaufwand dieses zu übergeben sei zu hoch. Bei einem Besuch am 26.3.09 in Mannheim, hatten die beiden ihren Hungerstreik gerade abgebrochen. Die schlechten medizinischen Betreuung, Angst vor den Folgen für ihre Gesundheit und geringes Interesse von Behörden und kritischer Öffentlichkeit bewegte sie schliesslich zur Aufgabe.

Wir sind empört, dass die Behörden gesundheitliche Risiken in Kauf genommen haben und fordern auf Grund der psychischen Situation, in der sich die Gefangenen befinden, deren unverzügliche Freilassung!

Bericht im Schwäbischen Tagblatt vom 5.3.09

SOLIDARITÄTSNOTE DES FLÜCHTLINGSRATES BADEN-WÜRTTEMBERG

Am Samstag, 01.03.09 sind in der Abschiebehaft Rottenburg 12 Häftlinge in einen Hungerstreik getreten. Sie wollten durch ihren gemeinsamen Protest auf ihre verzweifelte Situation aufmerksam machen.

Die angeblichen Initiatoren Herr K. und Herr L. wurden am Dienstag, 03.03. in die Abschiebehaft Mannheim verlegt.

Herr K. lebt seit 30 Jahren in Deutschland. Aufgrund einer bereits verbüßten Haftstrafe soll er in die Türkei abgeschoben werden, wo ihm aus persönlichen Gründen nichtstaatliche Verfolgung droht.

Herr L. ist körperbehindert und schwer krank. Er soll in den Irak abgeschoben werden, wo er aufgrund seiner gesundheitlichen Situation und ohne familiäre Unterstützung wenig Chancen hätte, sein Überleben zu sichern.

Am Mittwoch, 04.03. erreichte uns ein Fax aus Mannheim, in dem die beiden ankündigten, sich durch die Verlegung nicht einschüchtern zu lassen. Sie sind sich der gesundheitlichen Risiken eines Hungerstreiks bewusst, möchten ihren Protest aber fortführen. In Rottenburg befindet sich inzwischen noch ein Gefangener im Hungerstreik.
Herr S. stammt aus Afghanistan und soll nach Griechenland zurückgeschoben werden. Aufgrund der dortigen asylrechtlichen Situation droht ihm die weitere Abschiebung nach Afghanistan.

Im Rahmen seiner Mitgliederversammlung hat sich am 07.03. der Flüchtlingsrat Baden-Württemberg mit dem Hungerstreik in Rottenburg und Mannheim beschäftigt.

Wir sind in großer Sorge um die Zukunftsperspektiven und die gesundheitliche Situation der Gefangenen im Hungerstreik.

Wir fordern die zuständigen Behörden auf, die Anliegen der Gefangenen äußerst ernst zu nehmen und eine Lösung in deren Sinn anzustreben!!!


 
bga/blog/hungerstreik_von_abschiebehaeftlingen_in_rottenburg_und_mannheim.txt · Zuletzt geändert: 08.04.2009 09:15 von euro
 
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