Bündnis gegen Abschiebehaft Rottenburg / Tübingen

Junger Mann nach 17 Jahren in Deutschland nach Afrika abgeschoben

Name: - anonym -

  • Alter: 23
  • wurde nach 17 Jahren in Deutschland in ein afrikanisches Land abgeschoben
  • war Tage inhaftiert in Rottenburg
  • hatte gerade Praktikum begonnen; hatte vergessen Papiere zu verlängern

    (12.09.2008 09:12) Wie wir erfahren haben, kam es - entgegen allen Prognosen - zur Abschiebung eines seit 17 Jahren in Deutschland lebenden jungen Mannes. Wir hatten ihn zuvor mehrfach besucht und hätten nicht damit gerechnet, dass er wirklich abgeschoben wird. Offensichtlich ist dem Eilantrag empörenderweise nicht stattgegeben worden. Wir sind schockiert und werden - nach Rücksprache mit ihm - reagieren.

    Bereits fünf Wochen vorher wurde er wegen eines abgelaufenen Passes inhaftiert. Obwohl er der Landessprache nicht mächtig ist und dort keine Anknüpfungspunkte hat, wurde er abgeschoben.

    Er hatte uns vorher gebeten, seine Situation öffentlich zu machen und einen entsprechenden Text verfasst.

    Das Regierungspräsidium Freiburg hält für notwendig, einen 23-jähringen schwarzen, deutschen Ausländer aus der Bundesrepublik Deutschland abzuschieben. Ich bin der Deutsche afrikanischer Abstammung und befinde mich derzeit in der Justizvollzugsanstalt in Rottenburg, da mein Reisepass abgelaufen ist.

    Gegen mich erging die folgende ausländerrechtliche Entscheidung der Stadtverwaltung meiner Niederlasssungsstadt.

    • Punkt 1: Seine unbefristete Niederlassungserlaubnis wird ihm entzogen
    • Punkt 2: Er wird ausgewiesen und die Vollziehung wird im öffentlichen Interesse angeordnet.

    Die Stadtverwaltung mutet mir durchaus zu, in mein „Herkunftsland“ zurückzukehren, obwohl ich als (rein) deutschsprachiger „Ausländer“ meiner Heimatsprache nicht mächtig bin. Die einzige Sprache mit der ich mich verständigen kann, ist akzentfreies Deutsch. Zudem lebt meine gesamte Familie in der Bundesrepublik Deutschland.

    Ich habe zum größten Teil meines Lebens im Bundesgebiet verbracht und habe somit eine starke „inlandsbezogene Biographie“ vorzuweisen. Seit meinem 6. Lebensjahr lebe ich mit meiner Mutter und meinem Bruder bei meinem deutschen Stiefvater, der mich auch nach der deutschen Kultur erzogen hat. Während meinem 16 Jahre und 10 Monate dauernden Aufenthalt in Baden-Württemberg besuchte ich seit der ersten Klasse erfolgreich die Schule und hatte gerade die Möglichkeit, eine 3,5-jährige Ausbildung zu beginnen, was im Falle meine Abschiebung nicht zu Stande kommt.

    Gegen den Vollzug habe ich aus privatem Interesse Widerspruch eingelegt und hoffe auf Zustimmung für einen weiteren Verbleib in der Bundesrepublik.

    Ich bezweifle, aus den folgenden Gründen, dass ich mich im afrikanischen „Herkunftsland“ zurecht finden würde, da ich nur deutsch sprechen kann. Auf Grund der politischen Unruhen, den Bürger (bzw. Volks-)Aufständen, der Dürrezeit, Hungersnot und den mangelhaften medizinischen Versorgung hätte ich dort direkt vor Ort, wo ich geboren wurde ohne Verwandte und jeglicher Aufbau-Basis echt äusserst geringe Lebenschancen.

    Ich selbst habe eine überzeugende Meinung, dass Deutschland mein Heimatland ist. Da mein Reisepass abgelaufen ist, bin ich ein illegaler Deutscher, den man abschieben will. Das einzige, was an mir nicht deutsch ist, ist mein Geburtsort und meine Hautfarbe. Aus diesem Grund sehe ich mich selbst als einen deutschen Ausländer.

    Da meine Abschiebung im öffentlichen Interesse angeordnet wird, möchte ich hiermit an die Öffentlichkeit gehen. Ich will wissen, ob die Öffentlichkeit für oder gegen meine Abschiebung ist. Dies können sie mir per Email mitteilen. Ihre Meinung ist mir wichtig, denn sie zählt.

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    (29.09.2008) Leserbrief Schwäbisches Tagblatt

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    bga/blog/junger_mann_seit_17_jahren_in_deutschland_von_abschiebung_bedroht.txt · Zuletzt geändert: 24.02.2009 01:58 von euro
     
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