Bündnis gegen Abschiebehaft Rottenburg / Tübingen

Nach tödlicher Überfahrt ohne Versogung in Italien

(08.07.2009 10:38) Herr Osuwu ist aus Ghana auf dem Seeweg nach Italien gereist. Wie viele andere hat auch seine Ehefrau die gefährliche Einreise nach Europa per Boot nicht überlebt. Trotz dieser Tragödie ist er nach der Ankunft in Italien nur kurzzeitig versorgt, danach jedoch weggeschickt worden. Er war dann über ein Jahr obdachlos und in einem direkten Überlebenskampf bevor er nach Deutschland kam, wo er wenig später inhaftiert wurde.

Herr Osuwu wurde am 24.7.2009 aus der Haft entlassen.

Entschuldigen Sie, dass ich diesen Brief auf englisch schreibe, ich spreche leider kein deutsch. Mein Anliegen, wegen dem ich Ihnen schreibe beruht auf den folgenden Punkten:

Ich bin Asylbewerber in Italien. Ich bin auf dem Seeweg aus Lybien am 25. August 2007 nach Italien eingereist. Ich habe mein Land Gahana mit meiner Frau verlassen. Wir haben dort unsere zwei Kinder zurückgelassen, um ein besseres Leben und eine bessere Zukunft die Familie zu ermöglichen und weil ich ein Problem mit der Regierung hatte und inhaftiert werden sollte. Wegen der kurzfristigen Situation, die sich zwischen mir und der Regierung ergab, verliess ich das mit meiner Frau ohne Vorbereitungen zu treffen. Ich war wegen der unvorbereiteten Reise gezwungen durch Lybien zu reisen.

Als wir in Lybien angekommen sind, nahmen wir ein Boot nach Italien und nach etwa einem Tag wurde das Bott mit etwa 70 Menschen an Bord beschädigt. Wir verbrachten 11 Tage ohne Nahrung und Wasser auf hoher See. Doch vor Ende des 11. Tages starb meine Frau und liess mich allein zurück. Insgesamt starben 6 Menschen. Jedes mal, wenn ein Mensch starb, haben die anderen im Boot die Leichen über Bord geworfen, denn wir wussten nicht, wann wir das Land erreichen würden. Der Tod meiner Frau war der schlimmste Verlust, den ich je in meinem Leben hatte und er kann nie wieder ungeschehen gemacht werden. Am 11. Tag auf See wurden wir schliesslich von Seeleuten entdeckt, die einen eigenen Kurs hatten. Sie kamen in unser [Boot und halfen uns], unseren kaputten Motor zu reparieren und gaben uns etwas Nahrung und Wasser, so dass wir an unser Ziel weiterfahren konnten.

Als wir in Italien ankamen, waren alle auf Grund der langen Zeit auf See sehr erschöpft. Die Polizei kam und brachte uns in ein Asylheim. Wir blieben dort etwa eineinhalb Monate und wurden später aus dem Camp geschickt. Sie sagten uns, dass wir gehen und um unser Überleben in der Stadt kämpfen sollten. Wir erhielten keine Unterkunft, keine Arbeit, mit der wir uns am Leben erhalten konnten. Diese ganze lange Zeit schlief ich auf der Strasse und zog von Stadt zu Stadt, um einen Ort zu finden, wo ich unterkommen und mich erholen konnte. Immer war ich auf der Suche nach etwas zu essen. In Italien wollte die Regierung niemals [mein Weinen] hören und wollte auch nicht, dass ich von meiner Frau spreche, die im Meer ertrunken ist.

Bei meinem Überlebenskampf lernte ich einen Mann kennen, dem ich meine Situation erklärte und er gab mir zu verstehen, dass er mir dadurch helfen wollte, dass er mich nach Deutschland bringen würde. Die Deutschen wären nette Menschen. Er sagte, dass mir die Menschen dort etwas zu essen geben würden und ein Platz, an dem ich schlafen könnte. Als ich das hörte, war ich sehr, sehr glücklich, denn solche Worte hatte ich nicht einmal gehört, seit ich in Italien auf der Strasse war. In Italien überleben nur die Stärksten. Also hat mir dieser Mann geholfen und mich nach Deutschland gebracht. Er sagte mir, dass er wieder kommt, ist aber nie wieder aufgetaucht. So stand ich dort für eine Weile und als ich ihn nicht wieder sehen konnte, begann ich zu gehen, bis ich eine Frau sah, die mir half und mich zu sich nach Hause mitnahm.

Nach einer Nacht dort bin ich am nächsten Tag von dort weg gegangen und ich wurde von der Polziei kontrolliert, die mich schließlich mitnahm. So fand ich mich in Rottenburg wieder. Aber bevor ich das Haus der Frau verlassen hatte, sah ich ein spanische Ausweispapiere und nahm sie mit. Als ich von der Polizei kontrolliert wurde, gab ich sie ihnen und sagte auch wie ich dazu gekommen bin. Der Name auf den Papieren ist D. M. So hat die Polizei diesen Namen als meine Identität und zusätzlich meinen richtigen Namen Isaac Owusu benutzt. Deshalb werde ich hier in Rottenburg D.M. alias Isaac Owusu genannt.

Ich bitte sie und ihre Kollegen mir bei all meinen Problemen zu helfen, so dass ich eine Möglichkeit habe, hier zu bleiben, damit ich um meine Kinder in Ghana kümmern kann. Ich möchte keine Verbrechen verüben oder kriminell gegen das Gesetz verstossen. Ich bin nicht der Mensch für so etwas. Ich bin kein Krimineller, ich habe wirklich niemals in meinem Leben ein Verbrechen verübt. Alles was ich möchte ist ein Leben, in dem ich dazu beitragen kann, dass meine zwei Kinder lächeln. Denn ohne mir kann niemand sich gut um sie kümmern. Sie werden ihre Mutter niemals wieder sehen bis jeder von uns von Gott in den Himmel gerufen wird.

Möge Gott Euch mit seinem heiligen Geist ergreifen, dass ihr Menschen meine Situation versteht und nachvollziehen könnt, warum ich in dieses Land gekommen bin. Gott segne Euch.

Isaac Osuwu

 
bga/blog/trotz_seetod_der_frau_ohne_versogung_in_italien.txt · Zuletzt geändert: 11.08.2009 12:28 von euro
 
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